Erweitertes Endospitzen-Sortiment für effiziente Wurzelkanalbehandlung

Dr. Shahrad Nouraie Ashtiani
Dr. Shahrad Nouraie Ashtiani

Um eine effiziente und möglichst schonende Wurzelkanalbehandlung zu gewährleisten, setzt Dr. Sharad Nouraie Ashtiani, Oralchirurg und Endo-Spezialist aus Bremen (Deutschland), auf den Einsatz des W&H Piezo Scalers Tigon+ in Kombination mit dem optimal abgestimmten Ultraschall-Spitzensortiment.


Nachfolgend skizziert der Experte drei klinische Anwendungen (Erstbehandlung eines Zahns, Entfernung eines Wurzelstifts, Entfernung eines frakturierten Wurzelkanalinstruments), bei denen die gezielte Verwendung des W&H Endospitzen-Sortiments erläutert wird.

Einleitung:

Die Behandlung sollte unter dem OP-Mikroskop stattfinden. Ist dieses nicht vorhanden, ist es ratsam zumindest mit Lupenbrille zu arbeiten. Der Einsatz eines Kofferdamms ist in jedem Fall zu empfehlen und Bestandteil einer Lege Artis Behandlung. Bei Verwendung der Spitzen im Kanal sollte zumindest immer die Lupe verwendet werden. Für eine tiefe Kanalpräparation zum Entfernen von abgebrochenen Kanalinstrumenten ist der Einsatz eines OP-Mikroskops obligat, ansonsten besteht ein zu hohes Risiko einer Perforation. Lediglich die Entfernung von Kanalinstrumenten bzw. Stiften ist im oberen Kanalabschnitt ohne Mikroskop möglich.

Spezial Spitze 3E:

Entfernen von abgebrochenen Wurzelkanal-Instrumenten

Spezial Spitze 3E
Spezial Spitze 3E

Spezial Spitze 4E:

Pulpakammerboden Präparation

Spezial Spitze 4E
Spezial Spitze 4E

Spezial Spitze 5E:

Einvibrieren und Entfernen von Wurzelkanal-Stiften

Spezial Spitze 5E
Spezial Spitze 5E

Spezial Spitze 6E:

Entfernung von Wurzelkanal-Füllungen und Wurzelkanal-Kalzifizierungen

Spezial Spitze 6E
Spezial Spitze 6E

Fall 1: Erstbehandlung eines Zahns

Nach der Eröffnung der Pulpenkammer mittels W&H Winkelstück, das auch eine optimale Spraykühlung gewährleistet, erfolgt die gründliche Entfernung der Kronenpulpa. In einem nächsten Schritt kommen die Ultraschallspitzen in Kombination mit dem W&H Piezo-Scaler Tigon+ zum Einsatz. Die Verwendung der Spitzen mit dem Tigon+ ist absolut vorteilhaft, da die Geräteeinstellungen perfekt auf die Spitzen abgestimmt sind.

In weiterer Folge werden die Spitzen 6E und 4E zur Präparation des Kavitätenbodens, zur Abrundung der Kanalübergänge sowie zum Freipräparieren der Kanaleingänge verwendet. Bei sehr engen Kanälen wie der MSB2 bei den oberen Molaren sollte die Spitze 3E eingesetzt werden.

Mit den Spitzen 3E und 6E ist es möglich sogleich die oberen Kanalbereiche konisch aufzubereiten. Cave: Stufenbildung. Der Einsatz im Kanal sollte von einem erfahrenen Behandler durchgeführt werden. Analog kann im Kanal mit dem Gates-Glidden-Bohrer gearbeitet werden, wobei jedoch regelmäßig Kanten am Übergang zum Kavitätenboden entstehen. Diese lassen sich mit Hilfe der Spitze 4E abrunden.

Nach der Darstellung der Kanäle, der Abrundung der Kanaleingänge, der Befreiung von Dentinüberhängen sowie der Präparation des Kavitätenbodens erfolgt nun die Kanalaufbereitung. Hierfür stehen eine Reihe an manuell sowie maschinell betriebenen Instrumenten zur Verfügung, die an dieser Stelle jedoch nicht näher erläutert werden sollen. Besonders wichtig ist, dass die Aufbereitung von Kanälen stets unter Verwendung von Spülflüssigkeit erfolgt. Nach Einsatz von jedem Instrument (auch bei Benutzung immer desselben Instruments) sowie bei komplizierter Anatomie sollte der Kanal durch wiederholte Zwischenspülungen konsequent von Dentin-Spänen befreit werden.

Nach der Aufbereitung bis zur endgültigen Länge und Aufbereitungsgröße erfolgt die Spülung des Kanals gemäß Spülprotokoll. Mit Hilfe der Spitze 6E wird die Spülflüssigkeit für 20 - 30 sec. immer wieder aktiviert, ausgespült und erneut aktiviert. Dieser Vorgang wird solange wiederholt bis das Spülprotokoll mit den verschiedenen empfohlenen Spülflüssigkeiten und Mengen beendet worden ist.
Nach diesem Schritt werden die Kanäle getrocknet und je nach Möglichkeiten sowie verfügbaren Materialien entweder kalt oder warm, lateral oder vertikal abgefüllt.

Fall 2: Entfernung eines frakturierten Wurzelstifts

Der Kanal-Zugang wird wie in Fall 1 beschrieben bearbeitet. Dies sollte zwingend unter Einsatz eines OP-Mikroskops oder einer Lupenbrille erfolgen. Um eine Perforationen zu vermeiden, sollte nur der obere Kanalabschnitt bearbeitet werden.

Folgende weitere Vorgehensweise wird empfohlen:

  • Das abgebrochene Fragment bzw. der Wurzelstift wird mit der Spitze 3E leicht freigelegt.
  • Anschließend wird der abgebrochene Stift mit der Spitze 5E rausvibriert. Falls sich die Spitze nicht sofort löst, sollte gegebenenfalls mit der Spitze 3E erneut nachgearbeitet werden.
  • Nach dem erfolgreichen Rausvibrieren erfolgt die Kanalaufbereitung (siehe Fall 1).
  • Beim Spülprotokoll muss darauf geachtet werden, dass aufgrund des veränderten Keimspektrums bei jeder Art der Revision auch CHX 2% neben den anderen Spülflüssigkeiten als Spülung zum Einsatz kommt.
  • Das weitere Vorgehen erfolgt wie oben skizziert.

Fall 3: Entfernung eines frakturierten Wurzelkanalinstruments

Diese Behandlungen sollten immer unter Einsatz des OP-Mikroskops erfolgen. Cave: Via Falsa (Perforation). Die Behandlung darf erst nach genauer Indikationsstellung erfolgen. Wichtig ist, dass der Erfolg der Behandlung bereits im Vorfeld abschätzbar ist. In dieser Indikationsklasse müssen die eigenen Fähigkeiten genau eingeschätzt werden können.

Folgende Vorgehensweise wird bei der Entfernung eines frakturierten Wurzelkanalinstruments empfohlen:

  • Zuerst folgt die Darstellung der Kanäle sowie die Revision von eventuell vorhandenem Wurzelfüllmaterial durch den Einsatz der Spitzen 6E/3E.
  • Nachdem die Guttapercha bis zum abgebrochenen Instrument vollständig entfernt wurde, muss der Kanal zuerst geradlinig und breit erweitert werden.
  • Die Spitze sollte bei Ansicht mit dem Mikroskop zirkumferent freipräpariert und in vollem Umfang freigelegt sein.
  • Nun wird das Instrument durch Einsatz der Spitze 3E 1 - 2 mm weit nach apikal freipräpariert. Cave: Via falsa (Perforation). Beim Einsatz von Ultraschallspitzen besteht auch die Gefahr, dass die abgebrochenen Instrumentenspitzen erneut in sich frakturieren. Man sollte deshalb gewährleisten, dass im Zahn präpariert wird.
  • Zur Entfernung gibt es mehrere Möglichkeiten, auf die an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden soll. Im besten Fall kann jedoch nach dem Freipräparieren durch den Einsatz der Spülspitze das Instrument gelöst werden. Cave: erneute Frakturgefahr des Instruments. Je nach Anatomie und Lage gibt es eine Reihe von weiteren Möglichkeiten.
  • Nach der Entfernung erfolgt die apikale Aufbereitung, Spülung nach Spülprotokoll (erneut darauf achten, dass auch hier CHX 2% neben den anderen Spülflüssigkeiten als Spülung zum Einsatz kommt).
  • Das weitere Vorgehen erfolgt wie bereits in Fall 1 (siehe oben) dargestellt.