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Berichte & Studien

Knochenaugmentation mittels Piezochirurgie: Klinische Perspektiven von Prof. José Carlos Rosas Díaz

Prof. Dr. José Carlos Rosas Díaz
  • Experte für orale Rehabilitation, Implantologie sowie Parodontologie
Prof. Dr. José Carlos Rosas Díaz

Über Prof. José Carlos Rosas Díaz

Dr. José Carlos Rosas Díaz, ehemaliger Direktor der Zahnmedizinischen Fakultät der Universidad Privada San Juan Bautista (UPSJB) in Lima, Peru, hat einen Masterabschluss in Zahnmedizin und ist als Forscher an der UPSJB tätig. Er ist Fachzahnarzt für umfassende orale Rehabilitation, Implantologie sowie Parodontologie.


Key Takeaways:

  • Piezochirurgie ermöglicht präzise und gewebeschonende Osteotomien bei gleichzeitigem Schutz von Nerven, Gefässen und Weichgewebe.
  • Autologe Blocktransplantate sind bei ausgeprägten horizontalen und vertikalen Knochendefekten eine bewährte Lösung zur Vorbereitung der Implantatversorgung.
  • Entscheidende Erfolgsfaktoren für die Knochenaugmentation sind die Primärstabilität des Transplantats, dessen passgenaue Anpassung sowie ein spannungsfreier Wundverschluss.
  • Spezielle Piezoinstrumente unterstützen die Blockentnahme, Dekortikation und Konturierung des Transplantats und fördern eine vorhersagbare Integration.

Nach welchen Kriterien wird entschieden, ob ein Defekt mit autologen Blocktransplantaten aufgebaut werden sollte, und welche Rolle spielt dabei die Piezochirurgie?

Dr. Rosas Díaz: Autologe Blocktransplantate gelten als Goldstandard, wenn Knochenersatzmaterialien oder Membranen für die Defektrekonstruktion nicht ausreichen. Wichtige Entscheidungsparameter sind:

  • Defektgrösse: Besonders sinnvoll bei horizontalen Defekten mit weniger als 3–4 mm verbleibender Kieferkammbreite, sowie bei ausgeprägten vertikalen Defiziten, die mechanische Unterstützung erfordern.
  • Knochenvitalität: Autologe Transplantate bieten osteogenes Potenzial (lebende Zellen), osteoinduktive Wachstumsfaktoren und osteokonduktive Stützstrukturen.
  • Mehrwandige Defekte: Fehlen sowohl die bukkale, als auch die linguale/palatinale Kortikalis, fungiert der Knochenblock als Ersatz und stellt die ursprünglichen Konturen wieder her.

Rolle der piezoelektrischen Chirurgie bei der Blockentnahme: Die Piezotechnologie bietet hier klare Vorteile: Sie erlaubt gewebeschonendes, selektives Schneiden mineralisierter Strukturen, während Weichgewebe wie Gefässe oder Nerven geschont werden. Die ultraschallbasierte Arbeitsweise ermöglicht präzise, kontrollierte Osteotomien und reduziert das Risiko perioperativer Komplikationen, beispielsweise im Bereich des Nervus alveolaris inferior.

Spenderareal: Osteotomie-Winkel mit Piezosäge (B6 von W&H) zur Abgrenzung des Knochenblocks (a, b).
Abb. 1: Spenderareal: Osteotomie-Winkel mit Piezosäge (B6 von W&H) zur Abgrenzung des Knochenblocks (a, b).

Welche Faktoren bestimmen den Erfolg beim Aufbau eines ausgeprägten horizontalen Defekts mit Blocktransplantaten, und wie unterstützt die Piezochirurgie diesen Prozess?

Dr. Rosas Díaz: Für einen stabilen und vorhersagbaren Aufbau sind mehrere Punkte entscheidend:

  • Weichgewebsmanagement: Ein spannungsfreier Wundverschluss ist unerlässlich, um Dehiszenzen und die Transplantatexposition zu vermeiden.
  • Primärstabilität des Blocks: Der Knochenblock muss mit Osteosyntheseschrauben fixiert werden. Jede Bewegung gefährdet die Einheilung.
  • Passgenauigkeit: Das Transplantat sollte so vorbereitet werden, dass es sich möglichst exakt an das Augmentationsbett anlegen kann.
  • Dekortikation: Kleine Perforationen der Kortikalis fördern die Durchblutung und ermöglichen das Einwachsen osteogener Zellen aus der Spongiosa.

Einfluss der Piezochirurgie: Piezoelektrische Systeme ermöglichen präzise Osteotomien und atraumatische Knochenbearbeitung mit geringerer thermischer Belastung. Spezielle Instrumente erleichtern zudem die exakte Anpassung des Blocks, was sowohl die strukturelle Stabilität als auch die biologische Integration verbessert.

Welche piezochirurgischen Instrumente eignen sich am besten für die präzise Rekonstruktion des Alveolarkamms?

Dr. Rosas Díaz: Für Arbeiten an dünnen kortikalen Strukturen, bei denen maximale Präzision erforderlich ist, empfehlen sich folgende Instrumente:

a) Präparation des Knochenbetts
Diese Instrumente sind ideal für periphere Osteotomien oder die Vorbereitung des Augmentationsbereichs:

  • B1 (Feine Säge): Standardinstrument für präzise Schnittführung; die mikrometrische Schnittbreite erhält das Knochenvolumen.
  • B6/B7 (Spezialsägen): Für tiefe, kontrollierte Schnitte; das Design verbessert die Sicht und thermische Kontrolle durch optimierte Kühlung.
W&H-Piezoinstrument: B1
W&H-Piezoinstrument: B6

b) Dekortikation im Knochenbett
Die erfolgreiche Integration setzt eine biologische Aktivierung des Empfängerknochens durch gezielte kortikale Perforationen voraus.

  • B3 (Rundes abrasives Instrument): Wird zur Dekortikation eingesetzt, um die Angiogenese aus dem spongiösen Knochen zu fördern. Bei Bedarf können auch B1, B6 oder B7 verwendet werden, um linienförmige Perforationen anzulegen.
W&H-Piezoinstrument: B3
W&H-Piezoinstrument: B3 in Frontalansicht
Erweiterte Dekortikation mit flacher Piezosäge (B6 von W&H) (a). Vaskularisationsrillen (b).
Abb. 2: Erweiterte Dekortikation mit flacher Piezosäge (B6 von W&H) (a). Vaskularisationsrillen (b).

c) Formung und Konturierung des Knochenblocks
Nach der Entnahme muss der Block an die Kammanatomie angepasst werden:

W&H-Piezoinstrumente: B2L und B2R
W&H-Piezoinstrumente: S1 und B4

Danke für das Interview.

Übersicht W&H-Piezoinstrumente

Anwendung Empfohlenes Instrument Zentrale Funktion
Blockosteotomie B1 oder B6 Mikrometrische, gewebeschonende Schnittführung
Zugang in engen Bereichen B7 Verbesserter Zugang für Osteotomien in tiefen oder engen Bereichen
Dekortikation B3 Förderung der Angiogenese
Finale Blockkonturierung S1/B4/B2R/L Feinbearbeitung der Oberfläche zur Unterstützung der Primärstabilität

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