Die mundgesunde Diabetikerin

Eine 51-jährige mundgesunde Diabetikerin stellt sich zur Präventionssitzung vor. Die Blutzuckerwerte sind stabil bei einem HbA1c = 6,2 %, folglich gilt sie mit dem entsprechenden Medikament Metformin (Antidiabetikum) als suffizient eingestellt. Die Patientin hat keine bestehenden Versorgungen oder orale Vorerkrankungen. Anhand der aktuellen Befunde lässt sich eine Gingivitis bei sonst stabilem Zustand feststellen.

nach Lang&Tonetti

Trotz der stabilen mund- und allgemeingesundheitlichen Parameter benötigt die Patientin wegen ihrer Grunderkrankung eine individuell angepasste Präventionssitzung. Diabetes mellitus birgt immer ein erhöhtes Parodontitisrisiko (12), das allerdings durch eine gute medikamentöse Einstellung kontrolliert werden kann. Regelmäßige Kontrolle des HbA1c gibt Auskunft über den Verlauf des Blutzuckerspiegels der letzten acht bis zwölf Wochen, wobei ein HbA1c ≥ 6,5 % einen Diabetes mellitus anzeigt.

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Weil Diabetes und Parodontitis so eng assoziiert sind und starken Einfluss auf Entstehung und Verlauf nehmen, ist die sorgfältige Dokumentation wichtig. Aufgrund der bereits beschriebenen Aussagekraft sollte bei jeder Vorstellung der aktuelle HbA1c-Wert der Patientin erfragt werden.

Im Gespräch können die Zusammenhänge zwischen Diabetes mellitus und dem Entstehungsrisiko einer Parodontitis anschaulich erklärt werden (12, 15). Ebenso wie die Einflüsse, die ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie) auf den Verlauf und das Fortschreiten einer Parodontitis hat (16).

Auch wenn der mundgesundheitliche Zustand der Patientin keinen besonderen Bedarf für ein verkürztes Recall-Intervall anzeigt, ist durch den Risikofaktor Diabetes mellitus und die Assoziation mit einem erhöhten Parodontitisrisiko eine Prophylaxesitzung zweimal pro Jahr zu empfehlen.

Individual Prophy Cycle - Das patientenorientierte Präventionskonzept