Berichte & Studien

Emdogain – Hilft es auch ohne Chirurgie …?

PD Dr. Kristina Bertl, PhD MSc MBA

Emdogain ist ein Produkt, das aus Schmelzmatrixproteinen besteht und von Schweinezahnkeimen gewonnen wird. Es wird seit mehr als 20 Jahren in der Parodontalchirurgie erfolgreich eingesetzt und bei richtiger Indikationsstellung und Applikation kann man sehr schöne Ergebnisse inklusive zumindest teilweiser Regeneration von parodontalen Defekten erzielen. In den letzten Jahren kam aber immer wieder die Diskussion auf, ob man Emdogain nicht auch in der nicht-chirurgischen Parodontaltherapie einsetzen könnte. Diese Idee ruft jedoch gewisse Kontroversen hervor, da man beispielsweise in der nicht-chirurgischen Parodontaltherapie Emdogain nicht in der exakt gleichen und präzisen Art und Weise applizieren kann, wie es für die chirurgische Anwendung strikt empfohlen wird.

Emdogain – Hilft es auch ohne Chirurgie …?
Emdogain – Hilft es auch ohne Chirurgie …?

Eine Forschungsgruppe aus der Schweiz hat kürzlich die bislang verfügbare Literatur zu dieser Thematik in einer systematischen Übersichtsarbeit zusammengefasst (Roccuzzo et al. 2022). In dieser Übersichtsarbeit wurden alle randomisierten kontrollierten klinischen Studien mit zumindest 3 Monaten Nachverfolgungszeit inkludiert. Insgesamt konnten die AutorInnen 6 Studien zu dieser Thematik identifizieren und 4 Studien konnten statistisch in einer Meta-Analyse zusammengefasst und ausgewertet werden.

Basierend auf den Ergebnissen der individuellen Studien sowie der statistischen Auswertungen kamen die AutorInnen zu folgenden Schlussfolgerungen:

  • Basierend auf den Ergebnissen der bislang verfügbaren randomisierten kontrollierten klinischen Studien zeigt sich statistisch und klinisch kein relevanter Vorteil durch die zusätzliche Applikation von Emdogain während der nicht-chirurgischen Parodontaltherapie.
  • Zusätzlich wiesen die inkludierten Studien eine deutliche Heterogenität auf, was für uns bedeutet, dass die Ergebnisse mit noch größerer Vorsicht betrachtet werden sollten.

Das bedeutet für uns, dass es zu diesem Thema bislang keine eindeutige Schlussfolgerung gibt und die Ergebnisse zukünftiger Studien bleiben abzuwarten. Interessant ist auch eine weitere Fragestellung für die Zukunft, ob eventuell die Applikation bei einzelnen verbliebenen Restsondierungstiefen in der parodontalen Erhaltungstherapie zielführender ist als eine „generalisierte“ Anwendung während der 1. und 2. Phase der nicht-chirurgischen Parodontaltherapie.

Referenz

  1. Roccuzzo A, Imber JC, Stähli A, Kloukos D, Salvi GE, Sculean A. Enamel matrix derivative as adjunctive to non-surgical periodontal therapy: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Clin Oral Investig. 2022 Jun;26(6):4263-4280. doi: 10.1007/s00784-022-04474-1.

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