Berichte & Studien

Keratinisiertes Weichgewebe – vor allem auch an Implantaten wichtig!

PD Dr. Kristina Bertl, PhD MSc MBA

Anhand der aktuell veröffentlichten EFP-Behandlungsrichtlinien für die Behandlung von periimplantären Erkrankungen wurden zuletzt sehr umfangreich die Behandlungsmöglichkeiten anhand der vorhandenen wissenschaftlichen Evidenz diskutiert. Was jedoch fast noch wichtiger ist als die Behandlung per se, ist die Prävention periimplantärer Erkrankungen – allen voran der periimplantären Mukositis, da dadurch auch die Entstehung von Periimplantitis von Beginn an verhindert werden kann!

Keratinisiertes Weichgewebe – vor allem auch an Implantaten wichtig!
Keratinisiertes Weichgewebe – vor allem auch an Implantaten wichtig!

Welche Faktoren können nun aber zur Entstehung periimplantärer Erkrankungen beitragen?
Ein sehr wichtiger, jedoch manchmal etwas vernachlässigter Punkt ist das periimplantäre Weichgewebe. Im Rahmen eines Konsensusberichts wurde die Datenlage zur Wichtigkeit der keratinisierten Mukosa umfangreich zusammengefasst (Ramanauskaite et al. 2022).

Die keratiniserte Mukosa an Implantaten entspricht der keratinisierten Gingiva an Zähnen. Doch leider kann sich das Ausmaß der keratiniserten Mukosa nach Zahnverlust und vor allem auch nach Knochenaufbauten vor einer Implantatbehandlung sehr stark reduzieren. Dies kann wiederum dazu führen, dass Implantate nach Abschluss der prothetischen Versorgung eventuell sehr wenig (d. h. < 2 mm breite keratinisierte Mukosa) oder gar keine keratiniserte Mukosa mehr haben. Doch spielt dies eine Rolle?

Die Antwort kann anhand des oben angeführten Konsensusberichts sehr einfach gegeben werden: JA, es spielt eine Rolle! Haben Patient:innen keine oder nur sehr wenig keratinisierte Mukosa, haben diese Patient:innen unter anderem ein signifikant höheres Risiko für Plaqueakkumulation, erhöhte Blutungsindizes, ein höheres Schmerzempfinden bei der häuslichen Mundhygiene und in letzter Konsequenz ein höheres Risiko für Periimplantitis! Die Prävalenzzahlen für Periimplantitis liegen bei einem Mangel an keratinisierter Mukosa bei 11 44 %, während sie bei einem ausreichenden Ausmaß an keratinisierter Mukosa bei nur 5 8 % liegen.

Somit sollte man natürlich bei allen Patient:innen, aber im Speziellen bei Patient:innen mit ersten Anzeichen für eine periimplantäre Mukositis das periimplantäre Weichgewebe genauer unter die Lupe nehmen und bei einem Mangel an keratinisierter Mukosa (d. h. < 2 mm breite keratinisierte Mukosa) im Team besprechen, ob hier eventuell Behandlungsbedarf besteht! Die Breite der keratinierten Mukosa kann nämlich durch einen chirurgischen Eingriff sehr gut verbessert werden.

Referenz

  1. Ramanauskaite A, Schwarz F, Sader R. Influence of width of keratinized tissue on the prevalence of peri-implant diseases: A systematic review and meta-analysis. Clin Oral Impl Res. 2022;33(Suppl. 23):8–31. https://doi.org/10.1111/clr.13766

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