#isdh 2019: Trends in der Zahnhygiene

Das 21. Internationale Symposium zu Dentalhygiene (International Symposium on Dental Hygiene, ISDH) fand Mitte August in Queensland in Brisbane (Australien) statt. Die ISDH ist ein Event, das alle 3 Jahre stattfindet und neben der EuroPerio wohl einen der wichtigsten Kongresse für DentalhygienikerInnen darstellt. Organisiert von der Internationalen Vereinigung für DentalhygienikerInnen (International Federation of Dental Hygienists) und der DentalhygienikerInnen Vereinigung Australiens (Dental Hygienists Association of Australia) stand die Veranstaltung dieses Mal unter dem Motto „LEAD – Leadership, Empowerment, Advances & Diversity“!

Als Aussteller beeindruckte W&H das Fachpublikum mit seinen zukunftsweisenden ioDent®-Lösungen sowie Konzepten zu Behandlungsworkflows wie NIWOP. Gemeinsam mit Osstell AB, Mitglied und Technologiepartner der W&H-Gruppe, wurden die neuesten Entwicklungen für eine optimierte Behandlungsplanung vorgestellt. Auf dem Osstell Scientific Symposium am 26. September verzeichneten Organisatoren und Referenten mit rund 400 Teilnehmern einen neuen Besucherrekord!

LEAD – Leadership, Empowerment, Advances & Diversity“!

Das Programm lockte insgesamt rund 1.200 TeilnehmerInnen aus 43 Ländern nach Australien und sie wurden bei der Eröffnungszeremonie mit einer fantastischen Show von Aborigines begrüßt. Nach der Industrieeröffnung startete der Kongress mit der Keynote Präsentation „Are you a lamp, a lifeboat or a ladder?“ von Dagmar Else Slot, Mario Rui Araujo, Ron Knevel und Melanie Hayes – 4 internationale Größen im Bereich der Dentalhygiene. Sie erklärten gemeinsam wie das Motto LEAD in unserem Beruf aber auch mehr allgemein in unserem Leben am besten umgesetzt werden kann:

  • Leadership – “Be the person that you needed when you were younger!”
  • Empowerment – “Insights & wisdom!”
  • Advances – “Advancing yourself is advancing the profession & advancing the profession is advancing yourself!”
  • Diversity – “Be curious, not judgmental!”

Danach hatten die TeilnehmerInnen die Möglichkeit zwischen Vorträgen unter dem Motto Leadership, Empowerment, Advances, Diversity oder einen der von Sponsoren organisierten Vorträge zu wählen. Die Bandbreite der Themen war weit und gut gestreut. So stellte Janet Wallace ihre beeindruckende Organisation „Senior Smiles“ und den langen und schwierigen aber letztendlich erfolgreichen Weg dorthin vor. Senior Smiles arbeitet ganz im Sinne der Prävention an einer Verbesserung der Mundgesundheit in Altersheimen in Australien. Basierend auf mehreren Studien und unterschiedlichen Ansätzen zeigte sich hier aus ihrer Sicht eines sehr deutlich: Die Mundhygiene in Altersheimen sollte unter keinen Umständen an das bereits vorhandene Personal delegiert werden, da diese mit ihren Aufgaben bereits ausgelastet sind. Daher sollte ein System etabliert werden, in dem Angehörige der Mundgesundheitsberufe im Team vor Ort mit einbezogen werden und diese wichtige Aufgabe übernehmen!

Ein Thema, das bei der ISDH auch nicht fehlen durfte, war die neue Klassifikation von parodontalen und periimplantären Erkrankungen. Im November 2017 trafen sich europäische und amerikanische Größen der Parodontologie in Chicago und arbeiteten die neue Klassifikation aus, die bei der EuroPerio 2018 erstmals präsentiert wurde. Sašo Ivanovski fasste in Brisbane die wichtigsten Änderungen elegant zusammen und der Schwerpunkt seiner Präsentation lag auf dem neuen Staging & Grading System zur Einteilung parodontaler Erkrankungen.

Am Ende jeder Woche zeigt uns unser iPad wie viele Minuten wir mit ihm „verbracht haben“ und bei vielen von uns liegt die Anzahl wohl deutlich über 35 Minuten... 35 Minuten wäre genau die Zeit, die unsere PatientInnen pro Woche für die häusliche Mundhygiene aufwenden sollten: 2-mal täglich 2 Minuten Zähneputzen und 1-mal täglich 1 Minute Interdentalraumreinigung. Warum ist es aber so schwer unsere PatientInnen erfolgreich davon zu überzeugen? Kerstin Öhrn nahm sich dieser Frage an und die wichtigsten Schlussfolgerungen aus ihrem Vortrag waren wohl, dass wir nicht die Erkrankung, sondern individuell die betroffene Person behandeln müssen. Sowie, dass die Optimierung der häuslichen Mundhygiene der wichtigste Bestandteil der parodontalen Therapie ist und wir dementsprechend unsere PatientInnen anhaltend und regelmäßig instruieren und motivieren müssen!

Thomas Viola und JoAnn Gurenlian sprachen über die Wichtigkeit der Mundgesundheitsberufe im Rahmen der Therapie von KrebspatientInnen. Von einem Update zu den wichtigsten Medikamenten und damit assoziierten Komplikationen – aus dentaler Sicht allen voran Xerostomie und Mukositis! – bis zu den Therapiemöglichkeiten war im Vortrag alles enthalten. Um einer Mukositis im Rahmen der Krebstherapie möglichst vorzubeugen, gilt es eine optimale Mundhygiene zu etablieren und in der Therapie der Mukositis gelten Eiswürfel (oder auch gefrorenes Obst wie Weintrauben) noch immer als die erste Wahl. Demnächst werden neue Richtlinien erscheinen und es wird sich zeigen, ob Low-level Lasertherapie hier ein vielversprechender Ansatz in der Therapie der Mukositis ist. Und auch hier gilt die Schlussfolgerung, dass Angehörige der Mundgesundheitsberufe in das multidisziplinäre Team in der Therapie von KrebspatientInnen einbezogen sein sollten!

Ann-Marie Roos Jansåker gab einen Überblick, wie wichtig unsere professionelle Vorgangsweise von der Diagnose bis zur Erhaltungstherapie ist, um gemeinsam mit unseren PatientInnen erfolgreich zu sein: „A constant effort to be guided by what is beneficial for the patient, in the short and long term, by the patients‘ legitimate needs and not by our own needs and feelings.“

NIWOP - No Implantology without Periodontology (W&H)

Des Weiteren wurden auch zwei von Firmen ins Leben gerufene und geförderte Konzepte vorgestellt:
- NIWOP - No Implantology without Periodontology (W&H)
- Guided Biofilm Therapy (EMS)

No Implantology without Periodontology – das sollte eigentlich von keinem Angehörigen eines Mundgesundheitsberufes in Frage gestellt werden, nichtsdestotrotz sieht man im täglichen Klinikalltag immer wieder Fälle, in denen dieser Grundsatz leider nicht in allen Punkten eingehalten wurde. Kristina Bertl stellte in ihrem Vortrag das NIWOP Konzept vor und konzentrierte sich auf die Therapiephase vor der eigentlichen Implantation. Dabei wurde ausführlich der wissenschaftliche Hintergrund zu diesem Konzept diskutiert und es zeigte sich, dass bereits vereinzelte Restsondierungstiefen ein Problem darstellen können, vor allem wenn wir unsere PatientInnen nicht von einer regelmäßigen Erhaltungstherapie überzeugen können. Am Ende der Session stellte keiner der TeilnehmerInnen mehr in Frage: No Implantology without Periodontology!

Zu Kongressende gab es eine ausführliche Diskussion rund um die Guided Biofilm Therapy. Unsere Behandlung sollte stets auf einem evidenzbasierten Ansatz stattfinden und wer könnte das besser erläutern als Dagmar Else Slot! Ergänzt wurden ihre wissenschaftlich basierten Aussagen von Magda Mensi, die ein Konzept vorstellte, wie die Guided Biofilm Therapy im klinischen Alltag umgesetzt werden kann.

Rund um all die wissenschaftlichen Vorträge hatten die Organisatoren ein perfektes Rahmenprogramm geplant mit der Möglichkeit die australische Tierwelt hautnah zu begrüßen, Livemusik direkt unter dem Brisbane Wahrzeichen – der Story-Bridge – zu genießen, sowie der beeindruckenden Lebensgeschichte von Ahn Do zu zuhören. Kurzum ein rundum gelungenes Event, dass das nächste Mal in 3 Jahren in Dublin stattfinden wird!