Berichte & Studien

Piezochirurgie: Gewebeschonende Extraktion impaktierter Weisheitszähne

Klinische Perspektiven von Prof. José Carlos Rosas Díaz


Prof. Dr. José Carlos Rosas Díaz
  • Experte für orale Rehabilitation, Implantologie sowie Parodontologie
Prof. Dr. José Carlos Rosas Díaz

Welche diagnostischen Schritte sind vor der Extraktion notwendig?

Dr. Rosas Dìaz: Vor der Extraktion ist eine sorgfältige klinische und tomografische Diagnose wichtig, um die knöchernen Strukturen rund um die dritten Molaren genau zu beurteilen und eine geeignete chirurgische Vorgehensweise planen zu können.

Welche Komplikationen treten bei der Extraktion impaktierter Molaren am häufigsten auf, und wie können sie vermieden werden?

Dr. Rosas Díaz: Postoperative Schmerzen, Entzündungen, Hämatome und Infektionen zählen zu den häufigsten Komplikationen. Meiner Erfahrung nach, lassen sich diese durch eine möglichst atraumatische Gestaltung der Mukoperiostlappen deutlich reduzieren. Dies wird durch den Einsatz piezochirurgischer Osteotomieinstrumente begünstigt, die nicht rotierend, sondern mittels hochfrequenter Mikrovibrationen schneiden. Dadurch wird eine präzise Bearbeitung knöcherner und dentaler Strukturen möglich, während das umliegende Weichgewebe geschont bleibt.

Aus Ihrer klinischen Erfahrung: Wie beeinflusst ein Osteotomieschnitt, der mit Piezotechnologie durchgeführt wird, postoperative Komplikationen wie Schwellung, Schmerzen oder Nervverletzungen?

Dr. Rosas Dìaz: Die Präzision der Osteotomie und das gesamtheitliche chirurgische Vorgehen spielen eine wichtige Rolle für die postoperative Heilung. Wenn ich mit kontrollierten, gewebeschonenden Schnitten arbeite, empfinde ich die Eingriffe häufig als effizienter, und meist kann ich das Lappendesign bewusst kleiner halten. In ausgewählten Fällen geht dies mit geringeren postoperativen Schwellungen und weniger Beschwerden einher. Aus klinischer Sicht sind die Minimierung der Lappengröße und das Vermeiden unnötiger Traumata entscheidende Faktoren – unabhängig vom eingesetzten Instrument.

Abb. 1: Kauterisation mit der Koagulationsspitze des elektrochirurgischen Geräts (a) Lappenhebung (b). Osteotomie mit flachem, gezahntem Piezoinstrument B6 (c).

Abb. 2: Osteotomie mit dem B6-Sägeeinsatz des W&H Piezomed (a, b). Markierung der Grenzen des Knochenfragmentes für die Ostektomie (c).

Welche klinischen Faktoren beeinflussen Ihre Entscheidung zwischen konventioneller Technik und dem piezochirurgischen Verfahren mit potenziell besserer postoperativer Verträglichkeit?

Dr. Rosas Dìaz: Am meisten Einfluss hat die Möglichkeit, Schmerzen, Entzündungen und Infektionen zu verringern, indem wir kleinere gewebeschonendere Lappenpräparationen durchführen. Mit der Piezotechnologie ist das in vielen Fällen besser realisierbar.

Danke für das Interview.

Über Prof. José Carlos Rosas Díaz

Dr. José Carlos Rosas Díaz, ehemaliger Direktor der Zahnmedizinischen Fakultät der Universidad Privada San Juan Bautista (UPSJB) in Lima, Peru, hat einen Masterabschluss in Zahnmedizin und ist als Forscher an der UPSJB tätig. Er ist Fachzahnarzt für umfassende orale Rehabilitation, Implantologie sowie Parodontologie.


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