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Effektive Furkationstherapie mit universeller W&H Luftscalerspitze

Dr. Claudia Springer und OA Dr. Christian Graetz

Erfahrungsbericht zur Arbeitsspitze 3AP

von Dr. Claudia Springer und OA Dr. Christian Graetz


Die sichere und effektive Entfernung eines pathologischen Biofilmes spielt bei der langfristigen Erhaltung von Zähnen bei jeglicher Behandlung parodontaler Erkrankungen eine entscheidende Rolle.


Dies muss nicht nur während der aktiven Parodontitistherapie, sondern auch fortwährend in der unterstützenden Nachsorge erfolgen.

Um dies ebenso in komplexen Fällen mit fortgeschrittenem Attachmentverlust und Furkationsbeteiligung zu ermöglichen, bietet W&H mit der neuen 3AP Arbeitsspitze (Abbildung 1) für Luftscaler ein ideales Instrument, um nicht nur schonend, sondern auch schnell und effizient jegliche harte als auch weiche Auflagerungen von der Wurzeloberfläche zu entfernen.

Diamantierte Arbeitsspitze 3AP
Abb. 1: Diamantierte Arbeitsspitze 3AP

Dr. Claudia Springer und OA Dr. Christian Graetz sind beide Mitarbeiter der Klinik für Zahnerhaltung und Parodontologie, Funktionsbereich Parodontologie (Direktor Prof. Dr. C. Dörfer) am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein-Campus Kiel und waren federführend an der Entwicklung der neuen diamantierten Arbeitsspitze von W&H beteiligt. Ein Forschungsschwerpunkt in Kiel der letzten Jahrzehnte bestand in zahlreichen Untersuchungen zur Verbesserung der mechanischen Biofilmentfernung auf Wurzeloberflächen [1-18]. Auch die neusten Ergebnisse der aktuellen Studien bestätigten wiederum die Notwendigkeit der Forschung zu Wirkung und Nebenwirkung beim maschinellen Scaling.


Als Initiatoren zur Entwicklung der neuen diamantierten Luftscaler-Spitze 3AP sahen es beide Zahnärzte als notwendig an, die Einschränkung in der Handhabung bisher kommerziell vermarkteter diamantierter Spitzen insbesondere während der Furkationstherapie oder in engen Knochentaschen zu verbessern. Dies sollte unabhängig von nicht-chirurgischem (Abbildung 2) oder chirurgischem Vorgehen sein (Abbildung 3).

Geschlossenes Debridement der Furkationen an 26 und 36
Abb. 2: Geschlossenes Debridement der Furkationen an 26 und 36 bei fortgeschrittenem Attachmentverlust
(Fotos Abb 2 -4: © Dr. Christian Graetz)
Offenes Debridement der Furkationen an 16 und 17
Abb. 3: Offenes Debridement der Furkationen an 16 und 17 bei fortgeschrittenem Attachmentverlust

Das Ziel bestand darin, eine universell einsetzbare Spitze zu entwickeln, um zeitraubende Spitzenwechsel zu vermeiden. Daneben sollte aber die Anwendung der neuen Arbeitsspitzen sowohl in engen Knochentaschen von distal als auch am distalen Furkationseingang von Oberkiefermolaren einfacher sein und infolgedessen eine effektivere Instrumentierung ermöglichen. Dies wurde durch einen größeren Durchmesser des Instrumentenbogens (Abbildung 1) erreicht, was gerade bei Zähnen mit fortgeschrittenem Attachmentverlust und Furkationsbeteiligung von großem Vorteil während des geschlossenen Debridements ist (Abbildung 4).

Geschlossenes Debridement der Furkation an 16
Abb. 4: Geschlossenes Debridement der Furkation an 16 bei fortgeschrittenem Attachmentverlust

Nach verschiedenen In-vitro-Studien mit neuentwickelten Arbeitsspitzen im Slimline Design [15, 16, 19] setzen die Autoren nun bereits seit mehreren Monaten auch die diamantierte Arbeitsspitze 3AP in der Patientenbehandlung ein. Wie verschiedene Studien der Arbeitsgruppe [11, 14, 16] zeigten, ist ein systematisches Scaling sicherlich eine sowohl zeitaufwändige und manuelles Geschick als auch Motivation abverlangende Tätigkeit, aber bestimmt nicht eine der komplexesten Interventionen in der zahnärztlichen Praxis. Es ist Ziel, die im Biofilm organisierten Mikroorganismen von den exponierten Zahnoberflächen unter Schonung der Zahnhartsubstanz zu entfernen oder zumindest auf ein für die individuelle Wirtsabwehr tolerierbares Level zu reduzieren [20, 21]. Dabei muss eine annähernd glatte bioakzeptable Wurzeloberfläche entstehen, welche die Ausbildung eines epithelialen oder sogar bindegewebigen Attachments fördern wird [20, 21].

Hierfür eignen sich Handinstrumente gleichermaßen wie maschinelle Scaler. Ursprünglich wurden letztere entwickelt, um die Effizienz gegenüber der Verwendung von Handinstrumenten zu verbessern. Dabei nutzt man die kinetische Energie der schwingenden Arbeitsspitze zur Bearbeitung der Wurzeloberflächen. Obwohl primär die Geometrie der schwingenden Arbeitsspitzen bei Schall- und Ultraschallscalern ähnlich ist, lassen sich dennoch Unterschiede durch die verschiedenen Antriebsmechanismen erkennen und gerade hier zeigen die Luftscaler aufgrund ihrer Antriebsart und einer Schwingungsfrequenz von bis zu 6000 Hz nahezu rundliche/elliptische Schwingungen der Arbeitsspitze [22]. Dies lässt teilweise einen Vorteil gegenüber den eher linear schwingenden Spitzen eines piezoelektrischen Antriebes [23] oder einer oval/ovoid schwingenden Spitze bei magnetostriktivem Antrieb [24] erkennen. Gerade in engen Knochentaschen, beim Instrumentieren in der Furkation oder bei straffer Gingiva in tiefen Zahnfleischtaschen kann die niedrigfrequentere, aber kraftvollere, nahezu kreisrunde Schwingung einer Luftscalerspitze die Effektivität bei geringerer Destruktion der Wurzeloberflächen verbessern helfen [16]. Ebenfalls resultiert aus den verschiedenartigen Schwingungsmustern ein unterschiedlich großer Arbeitsbereich, der allerdings nur bei jeweils korrektem Anstellwinkel für beide Instrumentengruppen erzielt werden kann (Abbildung 5).

Arbeitsbereich
Abb. 5: Illustration der unterschiedlichen Handhabung bei korrektem Anstellwinkel eines (a) Luft- und eines (b) Piezoscalers regio 16 und 17. Der Arbeitsbereich resultiert aus den unterschiedlichen Schwingungsmustern und ist für Piezoscaler mit linearer Schwingungscharakteristik kleiner als für Luftscaler. Dies muss durch eine häufigere erneute Adaptation an die Zahnoberfläche vom Behandler ausgeglichen werden, damit die Instrumentierung effektiv aber trotzdem zahnhartsubstanzschonend erfolgt.

Wie Studien zeigen konnten, ist gerade für ungeübte Behandler somit ein Instrumentieren im retralen Bereich der Mundhöhle einfacher möglich [15, 16]. Bei entsprechendem systematischem Training mit dem jeweiligen Instrument konnte in einer aktuellen Studie gezeigt werden, dass das Arbeiten mit dem getesteten Proxeo-Luftscaler (W&H, Bürmoos, Österreich) effektiver als Hand- und Ultraschallscalerinstrumentierung war und dabei sogar noch Zeit sparte [16]. Dies deckt sich auch mit der externen Evidenz [25, 26]. Ebenso ist das Arbeiten mit den maschinellen Scalern gegenüber Handinstrumenten für den Anwender als ergonomischer sowohl für die Arbeitshaltung als auch die Belastung für Hand- und Ellenbogen-/Schultergelenk zu betrachten (noch nicht publizierte Studienergebnisse der Autoren).

In der Praxis scheint es so, dass die Auswahl des Instrumentes weniger stark von der ohnehin nahezu gleich guten Effektivität abhängt, sondern vielmehr von der Erreichbarkeit der exponierten Wurzeloberflächen sowie vom Behandler, dessen Vorlieben und dessen Praxisstruktur. Trotzdem sollten aber auch die spezifischen Nachteile durch beispielsweise die unvermeidbare Aerosolbildung [15], aber auch die Mißempfindungen der Patienten durch Kühlmittel und Sauger ebenso wie durch den Geräuschpegel [27] während der maschinellen Instrumentierung nicht vernachlässigt werden. Dies kann sich direkt negativ auf die Compliance des Patienten auswirken und damit den langfristigen Erfolg der gesamten Parodontitistherapie, durch die fehlende erforderliche Mitarbeit der Patienten, gefährden.
Die Vielfalt an Instrumenten in der Parodontitistherapie gibt den Behandlern aber die Möglichkeit, zwischen den genannten Instrumenten zu wechseln oder idealerweise die verschiedenen Verfahren miteinander zu kombinieren.

Literaturverzeichnis

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Autoren:

OA Dr. Christian Graetz und Dr. Claudia Springer
Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein-Campus Kiel