Der Transplantationspatient mit Gingivawucherungen

Ein 71-jähriger Patient mit Z.n. Nierentransplantation und Hypertonie (Bluthochdruck) stellt sich vor. Bedingt durch die Krankengeschichte ist eine Dauermedikation mit Cyclosporin, zur Unterdrückung der Immunabwehr, und Amlodipin, zur Blutdrucksenkung, erforderlich. Außerdem berichtet der Patient über empfindliches Zahnfleisch und Zahnfleischbluten. Aus mundgesundheitlicher Sicht zeigt sich ein saniertes Gebiss mit acht fehlenden Zähnen, ausgeprägte Gingivawucherungen, eine Parodontitis Stadium II, Grad B mit aktiven Taschen und eine initiale Wurzelkaries an Zahn 22. In der Kariesrisikoabschätzung wird ein mittleres Kariesrisiko (API 60) festgestellt. Für die Prophylaxesitzung lassen sich folgende Behandlungsempfehlungen ableiten.

nach Lang&Tonetti
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Anhand der Krankengeschichte lässt sich ein besonderes Komplikationsrisiko erkennen. Aufgrund des Nierentransplantats ist der Patient immunsupprimiert (Cyclosporin), verfügt also über ein geschwächtes Immunsystem und benötigt eine Infektionsprophylaxe (Empfehlung: 2 g Amoxicillin als Antibiotikum 1h vor Sitzung). Gleichzeitig birgt die Dauermedikation des Patienten ein erhöhtes Erkrankungsrisiko, da die festgestellten Gingivawucherungen medikamentenassoziiert sind (21).

Besonders im Bereich der Motivation und Instruktion muss auf die Situation des Patienten eingegangen werden. Durch die Gingivawucherungen gestaltet sich die häusliche Mundhygiene schwierig. Die erhöhte Anfälligkeit für Infektionen sowie das Fortschreiten und die Neuentstehung der Wucherungen (22) sollte auf Augenhöhe thematisiert werden. Gleichzeitig müssen die individuell auf den Bedarf abgestimmten Hygienetechniken vermittelt werden.

Keine spezielle Empfehlung in der Instrumentierung. Entsprechend dem Wissensstand sollte bei erosionssensiblen Bereichen rotierend Polieren selektiv erfolgen. Gerade weil der Patient eine anfällige Mundgesundheit hat, ist es wichtig, in der Prophylaxesitzung die bestmögliche Voraussetzung für die häusliche Pflege zu schaffen z. B. durch die Schaffung glatter Oberflächen, Fluoridierung zur Kariesprävention, CHX-haltige Mundspülung bei aktiven Entzündungen.

Für den Patienten ist ein verkürztes Recall-Intervall von drei bis vier Monaten zu empfehlen. Dieses beruht hauptsächlich auf den medikamenten-assoziierten Gingivawucherungen, der damit einhergehenden erschwerten Pflegesituation und dem Progressionsrisiko der Parodontitis.

Individual Prophy Cycle - Das patientenorientierte Präventionskonzept